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Rotweinparadies Ahrtal

Das malerische Ahrtal im Norden von Rheinland-Pfalz ist das größte geschlossene Rotweinanbaugebiet Deutschlands. Der Rotweinwanderweg führt mitten durch die Weinbergterrassen und verbindet die Weinorte des Paradieses für Feinschmecker und Weinfreunde.

 

 


Wandern, Radeln und Schlemmen im Ahrtal

Von Barbara Leuschner

Der Rotweinwanderweg im Ahrtal führt auf einer Strecke von 35 Kilometern durch Weinberge und Wälder von Bad Bodendorf bis nach Altenahr. Das ist uns zu lang, deshalb legen wir die ersten zwölfeinhalb Kilometer von unserem Top-Hotel Maravilla am Tor zum Tal der roten Traube in Sinzig-Bad Bodendorf nach Bad Neuenahr-Ahrweiler mit der Ahrtalbahn zurück, die angenehmerweise in jedem Weinort haltmacht. Bad Neuenahr-Ahrweiler ist der erste Weinort an der Unterahr. Der Vulkankegel rechts der Bahnstrecke, die „Landskrone“, scheint die elegante Kurstadt zu beherrschen. Und er vermittelt uns einen imposanten Eindruck von den malerisch steilen Weinbergslagen, die für die Winzer nur sehr schwer zugänglich sind, wie wir im Ahr-WeinForum erfahren.

Ausreichend über die Kulturgeschichte des Weinbaus informiert, statten wir nun aber doch noch zwei völlig unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten einen Besuch ab, bevor wir den Pfeilen mit der roten Traube auf unserem Wanderweg folgen. Die „Roemervilla“, eine Gutshofanlage aus dem dritten Jahrhundert, ist schließlich ein Beleg dafür, dass wohl ein Römer den ersten Rebstock im Ahrtal gepflanzt hat. Als einen Beleg für den Verfolgungswahn zu Zeiten des Kalten Krieges kann man vielleicht den „Regierungsbunker“ bezeichnen, der sich getrost das geheimste Bauwerk in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland nennen darf. Zwei ungenutzte Eisenbahntunnel unter den Weinbergen sollten von 1960 bis 1972 den Regierungsorganen zum Schutz vor einem atomaren Angriff dienen – eine absurde, aber sehr interessante Dokumentationsstätte.

Vom Rotweinwanderweg hat man wundervolle Ausblicke ins wildromantische Ahrtal und kann im Sommer den Winzern direkt bei der Arbeit zusehen. Deswegen ist hier zu Zeiten der Weinlese auch viel los, aber außerhalb der Saison, z. B. im Winter, kann man ihn richtig genießen, da er auf der Sonnenseite verläuft und es im Ahrtal sowieso immer um einige Grade wärmer ist als im Umland.

 

Es regnet Auszeichnungen

Bevor wir uns entlang des Weinbaulehrpfades in Richtung Walporzheim hangeln, wollen wir aber den berühmten „Eifelgeist“ kennenlernen. Nein, hier erwartet den Wanderer nicht die rheinland-pfälzische Version eines Rübezahl – es handelt sich um eine 47-prozentige Köstlichkeit aus bestem Weizenkorn und 42 handverlesenen Heil- und Geschmackskräutern nach über 75 Jahren altem Geheim-Rezept der Eifel-Destillerie P. J. Schütz. „Die bedeutendste Auszeichnung, die unsere Destillerie bisher erhalten hat, war der Bundesehrenpreis. Er ist die höchste Auszeichnung der deutschen Ernährungswirtschaft und wurde in diesem Jahr zum ersten Mal für Spirituosen verliehen. Wir sind schon ein wenig stolz darauf, als eine der ersten Destillerien in Deutschland diese Auszeichnung erhalten zu haben“, erzählt uns Peter-Josef Schütz, während wir auch Himbeer- und Kirsch-Likör oder den Kräuterlikör „Biobitto“ probieren dürfen.

Beseelt machen wir noch einen Abstecher zur Grafschaft, wo sich das vom Schlemmer Atlas zum Weingut des Jahres 2009 ausgezeichnete Brogsitter befindet. In den Gewölbekellern des Familienweingutes reifen neben den Weinen auch die Grundweine für die hauseigenen Sektspezialitäten – köstlich. Wie eine Perlenkette reihen sich namhafte Weingüter und gemütliche Straußwirtschaften in den urigen Weinorten aneinander – jetzt heißt es erst einmal Enthaltsamkeit üben, denn wir wollen doch wandern.

 

Ein Fässchen für jede

Nach einer Erfrischung im Kloster Mariental mit Besichtigung der romantischen Ruine der Klosterkirche von den Klosterrather Augustinerinnen, die dem Weinbau so zugetan waren, dass eine jede von ihnen ein Fässchen Wein pro Lese ihr Eigen nennen durfte, geht es hinauf zum 360 Meter hohen Krausberg in Dernau. Weht am dortigen Turm die Fahne, weiß der Wanderer: Die Krausberg-Hütte ist geöffnet. Vom Aussichtsturm ist bei klarer Sicht sogar der Kölner Dom zu sehen.

Im größten Weinort der Mittelahr, Dernau mit wunderschönen Fachwerkhäusern, findet man das Stammhaus der größten Winzergenossenschaft der Ahr, die Dagernova Weinmanufaktur. Wir aber lassen uns von der gemütlichen Atmosphäre des „Hofgarten“, der Gutsschenke Meyer-Näkel, zu Speis und Trank verführen.

Bis zur Bruchsteinbrücke aus dem Jahr 1764 in Rech sind es jetzt vier Kilometer entlang bester Lagen, wie dem „Recher Herrenberg“ des Weinguts Jean Stodden, dessen mehrfach prämierte Spätburgunder selbst im internationalen Vergleich die Spitzenplätze belegen – ein Besuch der einzigartigen modernen
Vinothek lohnt sich.

Nach Mayschoß geht es nun per Pedalo auf dem Ahrradweg entlang des fröhlich sprudelnden Flüsschens bis zur ältesten handelsgerichtlich eingetragenen Winzergenossenschaft der Welt. Der 1868 gegründete Mayschosser Winzerverein verfügt über gewaltige Keller, die uns zu einer gepflegten Weinprobe unter sachkundiger Leitung einladen, nachdem wir uns die kuriose Sammlung des Weinbaumuseums in den Gewölben angesehen haben.

Endstation des Rotweinwanderweges ist das Städtchen Altenahr, wo wir mit dem Sessellift den 354 Meter hohen Ditschhardt erklimmen und eine prächtige Aussicht auf die bizarre Felslandschaft der Ahr genießen. Zum krönenden Abschluss machen wir eine Weinprobe beim Weingut Sermann-Kreuzberg bei köstlichem Zwiebelbrot und vorzüglichen Weinen.

 

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Zahlen und Fakten zum Weinanbaugebiet Ahrtal

 

Die Bandbreite des Ahrweines reicht von honiggelbem Riesling bis zu rubinrotem Burgunder. Auf nur 558 Hektar Rebfläche, damit Platz zehn der dreizehn deutschen Anbaugebiete, gedeihen die edlen Tropfen auf den kargen Böden der sonnenverwöhnten Schieferterrassen quasi mit „Fußbodenheizung“. Im Ahrtal ist alles eine Nummer kleiner als in den übrigen Weinanbaugebieten, jedoch gehören seine Weine, insbesondere der Spätburgunder, zu den Spitzenweinen in Deutschland.

 

Bei einem Gesamtausstoß von durchschnittlich 50.000 Hektolitern Wein entfallen 61,5 Prozent auf Spätburgunder, der auf 343 Hektar Rebfläche angebaut wird. Es folgen der Portugieser (41 ha), Frühburgunder (36 ha), Dornfelder (17 ha) und Regent (19 ha). Weißweine spielen mit Riesling (44 ha), Müller-Thurgau (15 ha) und Weißem Burgunder (10 ha) ebenfalls eine bemerkenswerte Rolle.

 

Schon die Römer wussten die besondere Lage für ihren Lebenssaft zu nutzen und bereiteten den Weg vor, den die knapp 500 Winzer der Ahr (darunter auch die SchlAhrVinos, die Jungwinzer der Region) heute zu perfektionieren wissen – rund 50 Weinbauern sind Selbstvermarkter. „Von nix kütt nix“, wie die Ahrwinzer sagen. Da gibt ihnen Mandy Großgarten, die deutsche Weinkönigin 2010/2011, sicher recht, denn auch sie stammt aus dem Rotweinparadies Ahr.

 

 

Fotos: Archiv Ahr Rhein Eifel, Tourismus & Service GmbH