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Französisches Flair: Hafen und Uferpromenade in Neuchâtel, Hauptort im Drei-Seen-Land.
Ausgedehnte Rebhänge am Lac de Neuchâtel.
Das deutschsprachige Murten mit Ringmauer und Altstadt aus dem 13. bis 17. Jahrhundert.
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Twanner Weine

Die Weine vom Bielersee sind eine echte Entdeckung für Weinkenner. Das milde Klima des Sees, gute Böden und eine sorgfältige Bewirtschaftung lassen erstklassige Trauben unter der Schweizer Sonne wachsen. Winzer Peter Schott-Tranchant führt seinen Familienbetrieb in Twann bereits in der vierten Generation. Zusammen mit seiner Frau Marie-Thérèse bewirtschaftet er knapp drei Hektar Rebflache in bester Lage. Kontrollierter naturnaher Anbau und gezielte Ernteregulierung ermöglichen höchste Traubenqualitäten. Schott baut die weißen Sorten Gutedel, Pinot Gris, Sauvignon Blanc und die rote Pinot-Noir- Traube an – gekeltert werden sie im Keller des idyllisch in der Dorfgasse gelegenen Winzerbetriebs. Für den besonderen Charakter seiner Weine sind auch die Böden verantworlich: Die kalkhaltigen Hanglagen ergeben den typischen fruchtigen und spritzigen Bielerseewein, die sandigen Lehmböden am Fuße der Rebhänge fruchtige und gehaltvolle Tropfen. Tipp für eine Degustation in Twann: die Sélection Schott, ein im Eichenfass ausgebauter eleganter Gutedel mit feinen Aromen.

 

 


Die Schweizer Weinregion Drei-Seen-Land

Lac de Neuchâtel, Bielersee und Murtensee - Durch Weinberge wandern, am Seeufer radeln, malerische Städte besuchen und dabei den Röstigraben überqueren: Das Schweizer Drei-Seen-Land lockt mit entspannter Lebensart und edlen Tropfen.

 


Wein, Wasser und Genuss

Von Thomas Meins

An keinem anderen Ort fühle ich mich wirklich derart glücklich wie auf der St. Petersinsel in der Mitte des Bielersees“, schwärmte Jean-Jacques Rousseau über seinen kurzen Aufenthalt auf der kleinen Insel 1765. Der Philosoph und Vordenker der Aufklärung erkannte schon vor 250 Jahren den besonderen Reiz dieser Seenlandschaft am Fuße des Schweizer Jura. Der Bielersee gehört mit dem Lac de Neuchâtel, dem Murtensee und der Aare zum größten zusammenhängenden Gewässergebiet der Schweiz, dem Drei-Seen-Land.  Während die Eidgenossen anderswo mit Gletschern und Gipfeln, Almen und Après-Ski locken, gleicht das Leben im Drei-Seen-Land mit seinen Weinbergen, Winzerdörfern und Städtchen einem langen, ruhigen Fluss.
Die Seen sind per Kanal miteinander verbunden, jeder größere Ort hat eine Anlegestelle. Eine Drei-Seen-Rundfahrt per Schiff von Biel über Murten, Neuchâtel und retour dauert neun Stunden, am besten erkundet man die Seenlandschaft in Etappen. 45 Minuten braucht das Linienschiff von Biel bis zum Weinort Ligerz. Ein steiler Weg führt durch die Reben hoch zur alten Pfarrkirche, von der man einen herrlichen Blick auf den See, die Petersinsel und, bei guter Sicht, die Alpen hat. Auf dem Rebenweg, der das französischsprachige La Neuveville mit den deutschschweizer Orten Ligerz und Twann verbindet, geht es zu Fuß zurück nach Biel – rechts unten glitzert der See, zur Linken erstrecken sich die Weinstöcke mit den Chasselas-, Pinot Gris- und Pinot Noir-Trauben bis zu den Jura-Wäldern.

 

Gutedel aus dem Eichenfass

Die Tropfen aus dem Seenland genießen einen hervorragenden Ruf. Leider fast nur innerhalb der Schweiz, denn der Export lohnt wegen der geringen Erzeugermengen und der vergleichsweise hohen Preise kaum, wie Winzer Peter Schott erklärt. Was er auf seinen drei Hektar in Twann produziert, wird in der Region konsumiert. Wer Schotts nuancenreiche Sélection genießen will, einen im Eichenfass ausgebauten Gutedel, muss an den Bielersee kommen.

Während um den Bielersee deutsche Töne vorherrschen, wird es wenige Kilometer weiter am Lac de Neuchâtel französisch. Wie in Neuchâtel, der Perle am nördlichen Seeufer mit den buttergelben Sandsteinfassaden der Patrizierhäuser und Adelspaläste. Die schmucke Altstadt hinter dem Hafen glänzt mit den Cafés der Place des Halles, Renaissancebauten, alten Brunnen. Fast pariserisch mutet die Brasserie de Cardinal an, eine ehemalige Brauerei im Jugendstil, in der Salate, Meeresfrüchte und Entrecôte serviert werden. Im feinen Quartier Fauborg de l’Hopital erfährt das Frankreich-Feeling eine Steigerung. Dort ließ sich Pierre- Alexandre Du Peyrou, Freund und Verleger Rousseaus, 1771 ein Herrenhaus im Stile Ludwigs XVI. erbauen – das Hôtel DuPeyrou mit französischem Garten, Skulpturen, Terrasse, Seeblick.

Um die Stadt herum und fast am gesamten Nordufer des Sees ziehen sich Weinberge hin, bequem per Rad auf wenig befahrenen Landstraßen zu durchqueren. Die westlichen Villen-Vororte gehen über in Weinbau-Parzellen, das Seeufer weitet sich, die kleinen Anbauflächen werden abgelöst von ausgedehnten Pflanzungen. 20 Kilometer bis St-Aubin reihen sich Winzerdörfer, Schlösser und Reben. Spezialität der Winzer am Lac de Neuchâtel: der Oeil de Perdrix, ein Rosé, der aus dem Pinot Noir gekeltert wird. Eine der besten Adressen für eine Weinprobe ist das imposante Chateau D’Auvernier, seit über 400 Jahren im Familienbesitz. Stolz verweist Hausherr Thierry Grosjean darauf, dass die Böden am See eine ähnliche Qualität haben wie die im französischen Burgund. Wer im schattigen Garten seines Schlosses vom Rosé probiert, wird dem sofort zustimmen.

 

Der kleinste Weinberg

Angenehm verschlafen wirkt das Drei-Seen-Land am Murtensee. Am Nordufer erhebt sich sanft der Mont Vully, der kleinste Weinberg der Schweiz. Gegenüber liegt Murten, eine mittelalterliche Zähringerstadt mit Laubengängen, Ringmauer, Wehrtürmen. Östlich des Sees breitet sich das Große Moos aus, der Gemüsegarten der Eidgenossen und ein Paradies für Radfahrer.

Der wahre Garten Eden im Seenland aber ist die St. Petersinsel. Seit der Juragewässerregulierung ist das Eiland allerdings keine Insel mehr, sondern durch eine schmale Landzunge mit dem Festland verbunden. Eine schnurgerade Piste führt zwischen Schilf, Sumpf und Wald zu dem Kloster, an dem Rousseau Zuflucht vor seinen Verfolgern suchte. Aus dem Kloster ist längst ein Hotel geworden, im lauschigen Innenhof kann man heute Fische aus dem Bielersee – Egli und Felchen – Beef vom Inselbauern und Wein vom hauseigenen Rebberg genießen. Und vor allem die Ruhe, die diesen abgeschiedenen Flecken umgibt. Man muss kein Philosoph sein, um sich hier glücklich zu fühlen.

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Der Gerechtigkeits-Brunnen in der Altstadt von Biel.

 

Restaurant und Klosterhotel auf der St. Petersinsel im Bielersee – hier sind Autos verboten.

Klein, aber fein: Auf insgesamt 230 Hektar wird am Bielersee Wein angebaut, teilweise in schwer zu bearbeitenden Steillagen.

 

 


Wissenswertes zur Region

 

Wein:

Die Weinbauregion Drei-Seen-Land verteilt sich auf die Seen Lac de Neuchâtel, Bielersee und Murtensee. Die Gesamtanbaufläche beträgt 937 Hektar, zwei Drittel der Weinproduktion kommen von den Rebhängen am Neuenburgersee. Angebaut werden im Dreiseenland vor allem Chasselas (Gutedel) und Pinot Noir, außerdem die weißen Sorten Chardonnay und Pinot Gris, gelegentlich auch Riesling, Müller-Thurgau und Gewürztraminer. Neuenburger Spezialität: der aus der Pinot Noir gekelterte, lachsfarbene Rosé Oeil de Perdrix.


Anreise:

Mit dem Auto über Basel. Mit dem Flugzeug über Zürich, z. B. mit Swiss, Air Berlin oder Germanwings, weiter per Zug nach Biel oder Neuchâtel.


Reisezeit:

Ganzjährig; zum Wandern und Radfahren sind die Monate April bis Juni und September/Oktober bestens geeignet.
Infos: www.neuchateltourisme.ch, www.bielseenland.ch, www.murtentourismus.ch und Schweiz Tourismus, Tel. 00800 100 200 30 (kostenlos), Mail: info@myswitzerland.com, www.myswitzerland.com

 

 

Fotos: Drei-Seen-Land Tourismus